Körper und Seele - eine Frage der Haltung

von Jana Fischer

Beginnen möchte ich heute mit einem kleinen Experiment. Stellen Sie sich vor, die Sonne scheint, Sie sind frisch verliebt, tragen Ihr Lieblingsoutfit und haben die Aussicht auf ein Date Ihres Auserwählten/ Ihrer Auserwählten… Halten Sie es für möglich, dass ich Sie im Gewühle einer Großstadt erkenne?

Also ich schon. Ich stelle Sie mir so vor: Sie sind eine gepflegte Erscheinung. Ihre aufrechte und schwungvolle Körperhaltung wird mich mitreißen. Ihr inneres Lächeln als Ausdruck Ihres Seelenzustand wird nicht zu übersehen sein und meine Spiegelneuronen werden mich wachkitzeln und das Gleiche wollen.

Es geht mir heute hier nicht nur um nonverbale Kommunikation, sondern wie Ihre innere Haltung/Einstellung sich körperlich abbildet.

Seelische Krankheiten haben oft einen körperlichen Ausdruck. Ich denke an Menschen mit einer Depression und sehe Menschen mit nach vorn gezogenen Schultern, rundem Rücken, starrer, ratloser Mimik und einen leeren Blick, der sämtliche Lebensenergie vermissen lässt. Ohne, dass der Betroffene etwas sagt, schreit mich sein Körper an: „Lass mich in Ruhe.“ Der ängstliche Mensch fällt auf durch seine Körperspannung und einen besonders aufmerksamen Blick, der die Umgebung abscannt, um sicher zu sein, dass nicht das eintritt, was er befürchtet. Hat sich die Angst bereits verselbstständigt, treten vegetative Symptome wie erhöhter Puls, beschleunigte Atmung und Herzschlag, Zittern, Schwitzen…. bis zu Panikgefühlen auf. Oder Menschen, die unter Schmerzen leiden ohne, dass eine körperliche Ursache gefunden ja auch nur erahnt werden kann. Hier hat die Seele nur eine Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen, indem sie dem Körper Schmerzen bereitet. Der Körper reagiert mit Schonhaltungen und es beginnt ein trauriges Wechselspiel von körperlichen und seelischen Beschwerden, dass es zu beenden gilt.

Um den Körper Gutes zu tun, ist es also wichtig an der inneren Haltung zu arbeiten und auch umgekehrt. Fühle ich mich von meinen Problem überwältigt, stellt sich die Frage; Wie verändere ich meine innere und äußere Haltung um wieder handlungsfähig zu sein. Handlungsfähig zu sein, bedeutet ja auch etwas zu bewegen, innerlich wie äußerlich. Es gibt immer Möglichkeiten etwas zu verändern und oft erscheinen diese so simpel, dass man sie gleich erst einmal ignoriert. Viele Menschen folgen leider dem inneren Credo, was allein gekommen ist, geht auch wieder allein oder ich habe mir die Suppe selbst eingebrockt, also muss ich sie auch allein auslöffeln. Das ist Unsinn!

Es ist nicht immer einfach, sein inneres Lächeln in jeder Situation aufrechtzuerhalten. Wichtig ist es aber sich darum zu bemühen. Ich zitiere in diesem Zusammenhang gern Charlie Brown von den Peatnus: „Die Mundwinkel hochzuziehen, ist ganz schlecht für meine Depression.“ Sich mit einem inneren Lächeln vorzustellen, ist die eine Sache. Die Vorstellung bekommt aber noch eine ganz andere Qualität, wenn man sie auch körperlich nachvollzieht.

Die Körperpsychotherapie arbeitet hier sehr gut mit der körperlichen wie auch mit der inneren Haltung im Wechselspiel. Der Therapeut versucht sowohl die gesprochenen Worte, als auch die (unbewusste) Gestik seines Klienten aufzunehmen und anzusprechen. Etwa so: „Als Sie mir eben von Ihrer Arbeit erzählt haben, konnte ich sehen, wie sich Ihre rechte Hand zu ein Faust zusammen schloss. Haben Sie das auch bemerkt? Kann es sein, dass Sie eine Menge Wut verspüren, wenn Sie an Ihre Arbeitssituation denken.“ Manchmal ist der Körper einfach ehrlicher und drückt das aus, was die Seele beschämt und deshalb nicht anzusprechen wagt. Sehr gut lassen sich so auch Grenzverletzungen und problematische Bewältigungsstrategien als innere Muster aufspüren und auflösen.

Als ich mich auf den Yogaweg begeben habe, sagte mir meine Yogalehrerin einen Satz, den ich auch immer in den ersten Stunden an meine Yogaschüler weitergebe: „Yoga wird Dich verändern und Dein Umfeld wird wahrscheinlich anders auf Dich reagieren.“ Am Anfang konnte ich nicht viel mit dieser Warnung anfangen. Aber der Zusammenhang mit dem heutigen Blogthema erschließt sich recht schnell. Man begibt sich in einem Prozess der Körperachtsamkeit, macht Körperhaltung, die man nie im Alltag einnimmt und gepaart mit der Yogaphilosophie besonders den Yamas und Niyamas erschließen sich einfach ein paar Dinge von selbst.

Allein wenn man sich in Tadasana, den aufrechten Stand begibt, dann hat das auf den Gegenüber eine Wirkung.

Tadasana: Nimm über Deine Füße Kontakt zum Boden auf. Deine Füße stehen parallel und hüftbreit. Spüre Großzehballen, Kleinzehballen und Ferse. Verbinde Dich über Deine Standpunkte mit dem Boden. Verwurzele Dich mit dem Boden. Das Becken ist leicht nach vorn gekippt. Die Wirbelsäule ist aufgerichtet. Die Schultern gehen nach hinten, unten, außen und ein unsichtbarer Faden zieht Dich vom Scheitel zur Zimmerdecke.

Probieren Sie es aus! Am besten vor dem Spiegel.

Zurück