Körper und Seele - vergeben

von Jana Fischer (Kommentare: 0)

Für viele Menschen ist Voraussetzung von Vergebung, dass der vermeintlich Schuldige sich ent-schuldigt. Vorher geht für sie gar nichts. So lange hadern sie mit sich und der Welt, weil sie der Meinung sind, dass nicht sein kann, was eben ist. Und genauso lange bleibt ein vielleicht anfangs kleines Thema immer im Raum stehen und kann nicht losgelassen werden.

Es blockiert den Raum für neue, angenehme Themen, oft jahrzehntelang. Mit diesem Thema im Raum bleiben aber auch die daran anhaftenden unangenehmen Gefühle wie z.B. Unverständnis, Ärger, Wut, Angst, Traurigkeit,... und diese große Erwartungshaltung gegenüber dem „Schuldigen“. Die schönen Erfahrungen bleiben aus. Dieses Defizit an positiven Erfahrungen fördert Verbitterung und macht einsam. Natürlich ist es einfacher am Unrecht festzuhalten und auf sein Recht zu pochen. Dabei leiden die „Opfer“ viel mehr, als die Täter.

Mit etwas Glück bemerken die Betroffenen irgendwann das Ungleichgewicht ihrer positiven und negativen Gefühle und dass sie sich selbst in die Opferrolle manövriert haben. Sie werden nachsichtig und können aus ihrem Mangel an positiven Gefühlen heraus Nachsicht für sich selbst und Vergebung für den „Schuldigen“ entwickeln. An diesem Punkt spielt das „Um Verzeihung bitten“ keine Rolle mehr.

Im Yoga nennen wir diesen Zustand Kshama. Kshama ist die Bereitschaft über ein Verschulden hinwegzusehen, zu vergeben, zu entschuldigen ohne Verlangen.

Irren ist menschlich, vergeben ist göttlich.

Aber Vorsicht: Das Vortäuschen von Versöhnlichkeit ist weit verbreitet. Vergebung ist eine seltene aber edle Tugend. Vergebung spart die für Ärger benötigte Energie. Der Preis des Zorns und Golls ist verschwendete geistige Energie.

Und Vergebung ist gesund. Feindseligkeit und Einsamkeit fördert Herz-Kreislauferkrankung und weiteres psychosomatische Erkrankungen. Und immer dran denken: „Vergeben sollte sein wie eine vernichtende Notiz, in zwei Stücke zerrissen und verbrannt, so dass sie nie jemanden vorgehalten werden kann. Vergib und vergiss“ Swami Sivananda.

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