Körper und Seele - üben sich in Mitgefühl

von Jana Fischer (Kommentare: 0)

Mitgefühl ist wohl eines der wichtigsten menschlichen Eigenschaften. Es ist bei mir regelmäßig Thema in therapeutischen Sitzungen und Coachings. Jetzt habe ich in dem Buch von Helmut Kunz „Verstehen, was uns süchtig macht“ so eine wunderbare Beschreibung von Mitgefühl gelesen, wie ich es nicht besser hätte ausdrücken können. Ab Seite 127 nachzulesen.

„Mitgefühl darf nicht verwechselt werden mit Empathie, denn es geht weit darüber hinaus. Ebenso wenig darf es missverstanden werden als Mitleid. Mitleid ist ein ‚schweres’ Gefühl, Mitgefühl fühlt sich leicht an. Als Anlage ist Mitgefühl von Geburt an in jedem Menschen präsent. Um es aufrecht zu erhalten, müssen wir uns jedoch beständig darin üben. So öffnen wir unser herz und den Geist für das Heilsame im Leben.

Von Mitgefühl ließe sich auch als von einer Tugend sprechen. Sie ist mit dem Verstand kaum greifbar, wohl aber mit dem Herzen fühlbar und erfahrbar. Es ist ein umfassendes Empfinden, welches Ihr Herz, Ihren Geist, Ihr Fühlen und Denken in einem weiten Raum hinein öffnet. Mitgefühl weckt das Wertvollste im Menschen und bringt hervor, was er in sich trägt: die Liebe. Nach meinem Verständnis und Empfinden ist Mitgefühl daher eine ausgeprägte Herzensqualität, die eine innere feinsinnige und liebende Haltung sich selbst, der eigenen Person, den Mitmenschen, dem Leben und der Schöpfung gegenüber zum Ausdruck bringt. Weitere treue Begleiter von Mitgefühl sind Güte, Toleranz, und Achtsamkeit. Mitgefühl bringt Glück, Farbe und Poesie ins Leben und beschert uns Wohlbefinden. Gelebtes Mitgefühl zieht Ruhe und Gelassenheit im Leben nach sich, weil es aus sich heraus das Vertrauen darauf erwachsen lässt, dass sich alle Dinge letztendlich gut fügen werden. Insofern verschafft es Ihnen auch inneren Frieden. Es lässt sie heimisch werden, den sicheren Ort finden in sich selbst. Sie fühlen sich wohl in Ihrer haut und sind mit sich im Reinen. Mitgefühl rechnet nicht, rechnet vorallem nicht auf und schon gar nicht in Geld. Nicht zuletzt reinigt uns Mitgefühl von abträglichen Gefühlen und mindert unsere Ängste, einschließlich der existenziellen Furcht vor dem Tod.

Das Wunderbare am Mitgefühl ist auch, dass es viele ‚gutartige’ Veränderungen in unser Leben bringt, ohne dass wir uns dafür angestrengt haben müssten. Die Übung darin ist dem herzen ein Leichtes. Haben wir ihm nämlich erst einmal einen Raum in unserem Geist eingeräumt und ihm gestattet, zu einer selbstverständlichen inneren Haltung in unserem Leben zu werden, vollzieht sich alles Weitere von selbst. Das Gefühl zunehmender Vertrautheit mit der Herzensqualität Mitgefühl sowie der Mühelosigkeit, sie aufrechtzuerhalten, sind nämlich auch der Tatsache zu verdanken, dass wir uns als fühlende menschliche Wesen durch Mitgefühl laufend verändern. Körper wie Geist wandeln sich um. Wir organisieren uns sogar auf der neurobiologischen Ebene um, weil sich unser Gehirn durch die Kraft des Mitgefühls in seiner feinen Architektur verändert. Die Vertrautheit mit Mitgefühl führt zu dauerhaften Umbauten in unserem gehirn, die uns in der Folge ihrerseits wieder weiter und weiter darin fortschreiten lassen, zu anderen, innerlich schöneren Menschen zu werden. ...“

Vielen Dank Helmut Kunz für diese schöne Beschreibung von Mitgefühl.

Mitgefühl ist auch eine Grundvoraussetzung im Umgang mit süchtigem Verhalten, egal ob substanzgebunde Süchte oder Verhaltenssüchte. Dieses Buch aus dem ich zitiert habe ist ein Geschenk für alle die selbst oder als Angehörige von Süchten betroffen sind. Sehr einfühlsam wird hier beschrieben, was uns süchtig macht und wie wir einen Weg aus der Sucht finden können.

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