wenn Körper und Seele im Urlaub krank sind

von Jana Fischer (Kommentare: 0)

Kennen Sie das? Man freut sich auf den Urlaub. Doch kaum ist der Koffer gepackt, fühlt man sich nur noch krank und möchte ins Bett.

Leisure-Sickness-Syndrom nennen das die Fachleute, also die Freizeitkrankheit.

Männer sollen leicht häufiger davon betroffen sein als Frauen. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen über Erkältungsanzeichen bis zu Magen-, Glieder und Rückenschmerzen. Verdauungsprobleme, Müdigkeit und depressive Verstimmungen treten ebenso häufig auf.

Wir sehnen die Urlaubstage so herbei. Dabei tritt das Gegenteil von dem Erwünschtem ein. Anspruch und Wirklichkeit liegen weit auseinander. Dadurch bauen sich Frustration und Leidensdruck auf.

Wie kommt es zu diesem Leisure-Sickness-Syndrom?

Nun unser Körper neigt dazu, unter Stress erst dann zu kapitulieren, wenn er eine Verschnaufpause bekommt. Unter Stress werden vermehrt Stresshormone wie z.B. Kortisol ausgeschüttet. Diese Hormone aktivieren einerseits das Immunsystem und wirken entzündungshemmend.

Wird die verstärkte Hormonaktivität durch Freizeit oder Urlaub unterbrochen, kommt es zum Umkehreffekt. Damit ist Tür und Tor für Erkältungen und Entzündungen geöffnet.

Hinzu kommt, dass man im Urlaubsmodus weniger angespannt und von äußerlichen Reizen abgelenkt ist, so dass man für Körpersymptome „hellhöriger“ ist.

Man vermutet auch, dass für Leisure-Sickness-Betroffenen die Freizeit besonders wichtig ist. Neben dem Beruf soll die Freizeit mit „Qualität“ also mit erfüllenden Ereignissen bestückt werden, was wiederum zu einer hohen Erwartungshaltung und damit auch zu hohem Enttäuschungspotential führen kann.

Der wichtigste Grund aber ist, dass die Betroffenen zwar Freizeit haben wollen, sich aber nicht wirklich darauf einlassen können. Sie können nicht abschalten und bleiben in einer Art Standbymodus.

Ein Teil der Aufmerksamkeit der Betroffenen bleibt grundsätzlich bei der Arbeit, im e-Mailpostfach, am Smartphone,...

Meist normalisiert sich zwar das Immunsystem aber die Muskelspannung bleibt auf hohem Niveau. Das führt zu dauerhaften Verspannungen und damit ist der Weg für chronische Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen geebnet. Das heißt, dass im Freizeitstatus weniger Spannung abgebaut wird als im Alltag und damit nimmt in der Freizeit die körperliche und psychische Erregung stetig zu.

Dieses Phänomen ist auch dem wachsenden Perfektionsanspruch der Betroffenen an sich selbst geschuldet. Da man gern fehlerfreie Arbeit abliefern möchte, leidet man ständig unter dem Gefühl die Arbeit nicht zu Ende gebracht zu haben, weil sich immer noch etwas optimieren lässt. Oder man bereitet sich mit Dienste-Mail-Checks auf das Urlaubsende vor, in dem Glauben so entspannter in den Arbeitsprozess wieder einsteigen zu können. Außerdem haben die Betroffenen ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht arbeiten können oder nicht erreichbar sind. Gegen dieses schlechte Gewissen kommt natürlich die Zwangspause in Form von Krankheit gerade recht. Diese Prozesse laufen in der Regel unbewusst ab, um das schlechte Gewissen zu besänftigen.

Was lässt sich nun gegen dieses Leisure-Sickness-Syndrom tun?

-       Ratsam ist es, die Freizeit maßvoll mit Beschäftigung zu füllen, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, z.B. eine lange Wanderung, ein Konzert oder ein Tagesausflug. Freizeit sollte grundsätzlich nicht völlig leer aber auch nicht überfüllt sein.

-       Man sollte keine Angst vor Unerledigtem haben. Wer vor der Freizeit alles erledigen will und dafür Überstunden u.ä. in Kauf nimmt und letztendlich trotzdem nicht alles schafft, wird unzufrieden in die Freizeit gehen.

-       Man sollte sich bewusst machen, was man im Vorfeld alles geleistet hat und das jeder ab und zu eine Pause verdient hat

-       Freizeittermine sollen keine Termine 2. Klasse sein und ebenso unverrückbar sein, wie Arbeitstermine

-       Die Ansprüche an die Freizeit auf ein realistisches Maß reduzieren

-       Schränken Sie die Kommunikationsmedien ein. Schaffen Sie sich in der Freizeit ein festes Zeitfenster für Smartphone und Laptop

-       Bei spontanen Auszeiten wie Zugverspätungen oder Stau sollte man das Beste draus machen. Diese ohnehin unveränderbaren Situationen sollten einen nicht zum Verzweifeln bringen.

-       Man kann das Leisure-Sickness-Syndrom auch grundsätzlich angehen, indem man versucht, die Sichtweise auf das Leben zu ändern. Also die Arbeit in der persönlichen Bedeutungshierarchie etwas nach hinten verlagert und Familie und private Dinge weiter nach vorn.

 

 

 

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